Frauen im Amateurfußball

B42

20.04.2022 Lesezeit: 3 min

Ungleichheiten und Probleme im ganz normalen Fußballalltag

Ein Beitrag von Ex-Nationalspielerin Annika Doppler

Der Fußball ist immer noch ein stark männerdominierter Sport. Anerkennung und Wertschätzung werden zwar offiziell ausgesprochen, aber viele Fußballerinnen im Amateur- und Profibereich berichten darüber eher geduldet, als anerkannt zu werden. Das zeigt sich beispielsweise in unzureichenden Trainings- und Spielbedingungen, sowie mangelnder Unterstützung von Vereins- und vor allem Verbandseite.

Wenn der Frauenfußball genauso anerkannt und wertgeschätzt werden soll, ist es zwingend erforderlich, dass dieser Problematik größtmögliche Aufmerksamkeit geschenkt wird. Es müssen konkrete Lösungsstrategien für den Profi- und Amateurbereich entwickelt und implementiert werden.

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Alltagsprobleme im Frauenfußball

Wenn man einen Blick auf das Thema Spielbedingungen wirft, stellt man fest, dass das zentrale Problem in der Verbandstruktur liegt. Hier steht der Damenbereich leider an letzter Stelle. Wenn der Verband die offiziellen Spielzeiten festlegt, werden die Spiele der Jugendmannschaften, gegenüber denen der Damenmannschaften priorisiert.

Ich spiele für einen Fünftligisten und die Spielzeiten meines Teams werden nach den Zeiten der A-Jugend (Bayernliga) festgelegt. Mein Verein führt sehr viele Fußballmannschaften im Erwachsenen- sowie Jungendbereich.

Folglich ist es für meinen Verein schwierig, die Heimspiele für uns zeitlich günstiger zu organisieren, da die Spielzeiten der A-Jugend vorgegeben sind. Somit spielen wir zu der Uhrzeit, die übrig bleibt (momentan immer sonntags 18 Uhr). Zu dieser Uhrzeit kommen natürlich wenig bis keine Zuschauer.

Hier muss etwas verändert werden, es kann nicht sein das die Spiele der männlichen Jugendmannschaften über die der Damenmannschaften priorisiert werden.

Natürlich muss auch auf Vereinsseite etwas verändert werden. Die Trainingsbedingungen und -zeiten werden schließlich vom Verein selbst bestimmt. Beispielsweise müssen wir oft auf Nebenplätze ausweichen, wohingegen Herren- und Jugendmannschaften die besseren Trainingszeiten und -plätze bekommen. Wie kann man diesen Status Quo verändern?

Ein Ansatz wären mehr Frauen in der Vorstandschaft und Abteilungsleitung von Vereinen, welche sich dann für die Belange der Damen- und Mädchenmannschaften einsetzen. In den meisten Vereinen sind diese Posten fast ausschließlich von Männern besetzt. Hier müssen wir Frauen uns auch an die eigene Nase fassen.


Wie wir den Frauenfußball klein halten…

Eine Vielzahl von Damenmannschaften in Deutschland leidet an dieser Problematik. Bloß wo liegt eigentlich die Ursache des Problems?

Wenn man einen Blick in die USA oder nach England wirft, wird deutlich, dass dort der Frauenfußball einen ganz anderen Stellenwert hat als in Deutschland. Dort ist der Frauenfußball viel populärer, professioneller und es spielen insgesamt viel mehr Mädchen und Frauen Fußball.

In den USA wird der Grundstein hierzu bereits an den Schulen und Unis gelegt, wo es für jede Sportart Männer und Frauenteams gibt. Die Studentinnen können sich über ein Fußballstipendium die teuren Studiengebühren sparen und ihnen wird es erleichtert neben der Ausbildung ihren Sport intensiv zu verfolgen. Dies erhöht die Aufmerksamkeit bei jungen Mädchen und schafft Akzeptanz und Ebenbürtigkeit von Frauen und Männern im Fußball.

In England hat sich die Sichtbarkeit des Profifrauenfußballs in den letzten Jahren stark erhöht. Der englische Fußballverband veröffentlichte eine Wachstumsstrategie, in der die Zahl der Fußballerinnen vom Nachwuchsbereich deutlich erhöht und die Leistungen der Auswahlteams gesteigert werden sollen. Außerdem wurden ambitionierte Ziele bezüglich der Entwicklung der Zuschauerzahlen und der Vermarktung gesetzt.

Genau hier fehlt es beim deutschen Profifrauenfußball. Das beste Beispiel für die mangelnde Anerkennung des Frauenfußballs in Deutschland zeigte sich kürzlich beim Länderspiel der deutschen Damen gegen Portugal.

Das Spiel gab es nur im Livestream und nicht im TV zu sehen. Grund hierfür war die „SOKO Soundso“-Serie. Laut ZDF verzeichnet die Serie zwei Millionen Zuschauer und ein Länderspiel der Frauen eben nicht. Dabei sollten doch genau die Öffentlich-Rechtlichen nicht auf Profit aus sein.

Den Artikel dazu kann man hier nachlesen.

Mangelnde Chancen verursachen mangelndes Interesse

Durch eine höhere Sichtbarkeit würden die Aufmerksamkeit und das Interesse für den Frauenfußball steigen und folglich würden mehr Entwicklungschancen im Amateur- und Profibereich entstehen. Dies könnte sich auch positiv auf die Anzahl an Nachwuchskickerinnen auswirken.

Und je mehr Kickerinnen es gibt, desto „üblicher“ wird es sein, dass Mädchen und Frauen Fußball spielen. Dadurch ermöglichen sich weitere Chancen auf Anerkennung und Wertschätzung. Das fehlende Angebot an Mädchenteams erhöht nicht die Chance, dass (mehr) Mädchen Fußball spielen.

In Deutschland spielen zwar insgesamt mehr Mädchen Fußball als noch vor 20 Jahren, doch nicht flächendeckend. Bei mir in der Umgebend gibt es leider kaum Vereine, die eine gute Nachwuchsarbeit leisten (können). Mein Verein hat keine Mädchenmannschaft.

Der Grund dafür ist, dass zu wenig Mädchen Fußball spielen wollen, weil es einfach nicht attraktiv genug für sie ist oder sie keinen Bezug dazu haben.

 


Wie ich mich selbst gegen alle Widerstände durchgesetzt habe!

Als ich 1998 im Alter von sechs Jahren anfing Fußball zu spielen, gab es fast keine Mädchenmannschaften. Ich spielte zunächst mit meinem Bruder und meinen Eltern im Garten, bis sie entschieden, dass ich es ja mal im Verein probieren könnte. Außer mir spielte ein weiteres Mädchen mit, die aber bald schon aufhören sollte.

Dementsprechend war ich das einzige Mädchen, was mir aber nie etwas ausmachte – ich fühlte mich als Teil der Jungstruppe.

Das Spielen in einer Jungenmannschaft hatte natürlich seine Vorteile, ich lernte mich früh gegenüber Jungs durchzusetzen und nicht unterkriegen zu lassen. Denn wir wissen alle, Jungs können frech und hart sein. So spielte ich meine Kindheit über immer mit Jungs, wodurch ich mich auch fußballerisch sehr entwickelte.

Meine Eltern förderten mich extrem und so machte ich zusammen mit meinem Bruder viele Extraeinheiten. Ich wechselte u.a. umzugsbedingt ein paar Mal den Verein, dies änderte aber nichts an der Akzeptanz der Jungs gegenüber mir als Person und Fußballerin.

In den folgenden Jahren durchlief ich die bayerischen Auswahlmannschaften und schaffte es schließlich bis in die Jugendnationalmannschaft. Auf Vereinsseite startete ich mit 14 Jahren meine Karriere bei der U-17 Mädchenmannschaft des FC Bayern München und spielte im Anschluss für die erste und zweite Damenmannschaft.

Nichtsdestotrotz gab es für mich auch einige Hürden, die es zu überwinden galt:

Verletzungen, weniger Zeit für Freunde und ein stark verplantes Jahr aufgrund vieler Lehrgänge und fußballbedingter Reisen. Aber nichts von dem wiegt das auf, was mir der Fußball geschenkt hat. Leidenschaft, Willensstärke, Durchsetzungsvermögen, Ehrgeiz, die Kraft immer wieder aufzustehen, Freude und Spaß, einen Ort, an dem ich mich aufgehoben und stark fühle.

Ich hoffe, dass ein paar Mädels das hier gerade lesen und sich bestätigt fühlen, in dem was sie machen. Macht weiter so und habt Spaß am Fußball, egal in welcher Liga ihr spielt. Fußball bringt Menschen aus aller Welt und aller Geschlechter zusammen.

Jeder hat es verdient Fußball zu spielen, wenn er/sie das möchte und das sollte nun endlich von allen Organisationen, Institutionen verstanden, respektiert und unterstützt werden.

Es wird Zeit, dass wir etwas ändern

Die Medien und der deutschen Fußballverband, sowie die einzelnen Vereine sollten Bezug zum Fußball schaffen und passende Unterstützung gewährleisten. Nur so kann sich der Frauenfußball nachhaltig verändern.

Ich würde mir wünschen, dass der Gedanke Frauen können und sollen nicht Fußball spielen endlich aus den Köpfen verschwindet und der Frauen- und Mädchenfußball in den Vereinen stärker integriert und gefördert wird.

Es sollten mehr Förderzentren und eine größere Einbindung in Ausbildung und Schulen angeboten werden. Zudem müssen eine vernünftige Infrastruktur sowie gute Trainings- und Spielbedingungen geschaffen werden.

All das führt schlussendlich zu einer erhöhten Wertschätzung und Anerkennung des Frauenfußballs.

Meiner Meinung nach stellt der direkte Vergleich von Frauen- und Männerfußball ein essentielles Problem dar. Frauen werden niemals auf dem exakt gleichen athletischen Level wie Männer Fußballspielen können, weil körperlich einfach andere Voraussetzungen gegeben sind. Aber macht uns das zu schlechteren Kickerinnen?

Nein, denn erstens steigert sich das technische, taktische sowie athletische Niveau immer weiter und kann durch eine gezielte (Nachwuchs-)Förderung noch deutlich zunehmen. Zweitens sind wir alle gleich, wenn es darum geht was wir machen - den Fußball leben und lieben.

Ob Tor von Mann oder Frau, das ist doch egal.

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