Fünf Ringe und ein Ball

B42

30.09.2021 Lesezeit: 3 min

Test- und Vorbereitungsspiele, Liga-Alltag, Pokalspiele, internationale Klub-Wettbewerbe, die Europameisterschaft und nun noch das Olympische Fußballturnier – Fans können vor lauter vermeintlicher Highlights gar nicht mehr durchatmen. Ein Sportevent reiht sich an das nächste.

Dass die Stars von heute von manchen Top-Clubs so einiges im Stande sind zu leisten, wissen wir nicht erst seit gestern: 34 Ligaspiele, in anderen Ländern sogar bis zu 40 Spiele, dazu der Pokalwettbewerb, bis zu 13 Spiele in der Champions League, beziehungsweise 15 in der Europa League. Das sind bis zu 60 Spiele für den Verein in einer Saison. Kurz danach befanden wir uns bereits mitten im EM-Trubel. Erneut standen bis zu sieben Spiele innerhalb eines Monats an. Und nun: Das Olympische Turnier in Tokio mit bis zu sechs weiteren Spielen ruft die vermeintlich besten Nationen der Welt zusammen.

Olympia als Laufsteg für den großen Durchbruch?

Jedes Jahr gibt es mehr Spiele und neue Wettbewerbe, wie die Europa Conference League, werden implementiert. In diesem Jahr kommt noch die verkürzte Sommerpause aufgrund der Corona-Pandemie hinzu. Dennoch schweigen die Spieler.

Man hört immer wieder: die Jungs müssen spielen, spielen, spielen. Aber wann ist es zu viel? Selbstverständlich wollen wir keinem Spieler Unwissenheit unterstellen und vertrauen auf korrekte Selbsteinschätzungen. Dennoch können die stetig intensiven Belastungen auch an den Ausnahmeathleten nicht spurlos vorübergehen. Das Schaulaufen für unsere Konsumgesellschaft sollte keinesfalls auf Kosten der Gesundheit der Spieler stattfinden.

Zu allem Überfluss reiht sich an die schier endlose Saison nun noch das Olympische Fußballturnier. Teilnehmer, wie Honduras, Rumänien oder Saudi-Arabien treffen auf Brasilien, Frankreich, Deutschland oder Spanien. Bei jeder Nation bestehen die Mannschaften größtenteils aus U23-Spielern, wobei bis zu drei erfahrene Ü23-Spieler Teil des Kaders sein dürfen. Und dennoch fehlen die Namen der großen Stars. Ob Max Kruse für Deutschland, André-Pierre Gignac für Frankreich oder Dani Alves für Brasilien: die Altstars kommen nicht mehr an das allerhöchste Niveau der Fußballelite ran. Und Spieler von Weltklasseformat, wie Kylian Mbappé, Kai Havertz oder Vinicius Jùnior, die allesamt unter 23 Jahre alt sind, verzichten auf einen potentiellen Olympiatitel. Es scheint, als würde Fußball bei Olympia jungen Talenten, sowie alternden Ex-Stars die Chance bieten sich für größere Aufgaben zu empfehlen und den Durchbruch zu wagen. Dennoch wollen wir einen Blick auf den wohl größten Star des Fußball-Olymps werfen.

 

Pedri – ein Name in aller Munde

Einer, den die Strapazen besonders stark treffen, ist 18 Jahre alt und spielt bei einem der größten Klubs der Welt: dem FC Barcelona. Der 1,74 Meter große Spanier ist ein absolutes Ausnahmetalent, das in die Fußstapfen absoluter Legenden, wie Xavi und Iniesta, tritt. Eine unglaubliche Ballsicherheit, eine enorme Passqualität und ein sehr feines Dribbling zählen zu den größten Stärken von Pedro González López.

Doch nicht nur aufgrund seines herausragenden Talents stolpert man regelmäßig über den Namen Pedri. Der im Verein und in der Nationalmannschaft gesetzte Mittelfeldspieler scheint gar nicht müde zu werden. In der Saison 2020/21 absolvierte er 52 Spiele auf Vereinsebene, verpasste in der Liga gerade einmal ein Spiel. Im Sommer folgten sechs´ Spiele mit „La Furia Roja“, ehe im Halbfinale gegen den späteren Europameister Italien Schluss war. Und nun steht Pedri für die Olympia-Auswahl in Tokio erneut auf dem Rasen. Da kann man fast schon von Glück sprechen, dass der FC Barcelona in der Champions League nicht über das Achtelfinale hinauskam und die restlichen fünf Spiele von daheim aus anschauen musste. Wohl kaum dürfte auch nur ein Kommentator den Namen Pedri noch nicht ausgesprochen haben.

Ob es an seinem jungen Alter oder an seiner Disziplin liegt oder ob er bislang einfach Glück hatte – die schier unendliche Saison hat für ihn noch immer kein Ende. Und dann steht auch schon die neue Saison an. Neben Pedri stehen fünf weitere Spieler im Kader der spanischen Olympia-Auswahl, die bereits an der Europameisterschaft teilgenommen haben: Unai Simón, Eric Garciá, Pau Torres, Dani Olmo und Mikel Oyarzabal.

 

Sind die deutschen Mannschaften klüger?

In der Bundesliga reagieren die Mannschaften mit gemischten Reaktionen auf das Olympische Fußballturnier. Während der FC Bayern München und Borussia Dortmund keinen ihrer Spieler für das Turnier abstellten, sind es beispielsweise bei Hertha BSC oder dem FC Augsburg jeweils zwei. Herthas neuer Sport-Geschäftsführer Fredi Bobic unterstützt die Olympia-Mannschaft und hofft auf ihren Erfolg. Ob der Verein nun in der ersten Pokalrunde gegen einen Amateurverein auf zwei seiner Stammspieler verzichten muss, sei dabei irrelevant. Schließlich stehen die Kuntz-Schützlinge, sollten sie das Olympische Finale erreichen, rechtzeitig zum Bundesliga-Start ihren Teams wieder zur Verfügung.

Und bei den Bayern? Dort wird der etatmäßige dritte Torwart Ron-Thorben Hoffmann von der Teilnahme abgehalten, da für den Vorbereitungsstart mit Sven Ulreich nur ein weiterer Torhüter zur Verfügung steht. Somit muss der 22-Jährige Münchner auf sein erstes großes Turnier verzichten, um mit den Nicht-EM-Fahrern der Bayern an der Säbener Straße das Training wieder aufzunehmen. Bitter für Hoffmann, der sich bei der Olympiade für einen neuen Verein empfehlen wollte. Sein Vertrag läuft im Sommer 2022 aus.

Fußball und Olympia: ein Wettbewerb im Schatten

Die bisherigen Fußball-Weltmeister kennen wir wohl alle und auch diejenigen Nationen, die den Europameistertitel ergattern konnten, sind den meisten bekannt. Doch wer sind eigentlich die Olympiasieger? Wer hätte gedacht, dass Polen, Nigeria oder Kamerun bereits an der Spitze thronten?

Die größte Sportveranstaltung der Welt trifft auf die beliebteste Sportart der Welt und kaum einen interessiert das. Bei der sommerlichen Olympiade finden sich alle vier Jahre die größten Ausnahmeathleten der Welt aus den verschiedensten Sportarten zusammen. Usain Bolt, Michael Phelps oder Robert Harting lösten Begeisterung und Jubelströme in den Stadien aus. Nur im Fußball schwappt die Begeisterung nicht auf die Fans über. Die meisten Olympioniken trainieren ihr komplettes Leben auf diesen einen Moment: Wenige Minuten oder gar Sekunden entscheiden über Sieg und Ruhm der Teilnehmer. Keine 60 Spiele in fünf verschiedenen Wettbewerben bieten die Möglichkeit doch noch einen Titel zu erringen – lediglich dieser eine Moment, der alle vier Jahre stattfindet bestimmt die sportliche Ehre. Endlich einmal dreht sich nicht alles um das Spiel mit dem runden Leder! Der Fußball steht bei den Olympischen Spielen im Schatten von Disziplinen aus der Leichtathletik, dem Wassersport oder dem Kampfsport. Und das ist auch mal gut so.  

Manchmal ist weniger mehr

Seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs nach der Corona-Pandemie gab es nahezu keine Pause. Der Fußball ist allzeit präsent. Das, was unser aller größter Kindheitstraum war, ist ein echter Albtraum. Jeden Tag laufen Übertragungen bei den verschiedensten Anbietern, die Anzahl der Wettbewerbe übersteigt unsere Aufnahmefähigkeit und die Spieler werden zu Marionetten der Verbände. Wir sind gnadenlos überfordert mit dem Konsumangebot im Fußball. Da kommt das Olympische Turnier gerade zur richtigen Zeit. Endlich stehen auch mal andere Sportarten im Mittelpunkt. Ob Turnen, Badminton, Golf oder Surfen – Hauptsache kein Fußball!

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