Protest matters

B42

24.06.2021 Lesezeit: 3min

Protest ist immer unangenehm. Das liegt in seiner Natur. Denn, Protest richtet sich gegen einen Status Quo. Gegen einen existierenden gesellschaftlichen Zustand, eine Entwicklung oder eine Person. Und verlangt Veränderung. Fordert Wandel. Protestiert wird immer gegen etwas. Das unterscheidet den Protest von der Demonstration. Das heißt aber auch, dass wir in dem Moment, in dem wir beginnen zu protestieren, all denjenigen auf die Füße treten, die den Status Quo unterstützen, ihn zumindest hinnehmen und sich damit arrangieren.
Wenn plötzlich gegen einen gesellschaftlichen Status Quo protestiert wird, mit dem wir uns schon immer arrangiert hatten, ist es komplett menschlich, diesen Protest erst einmal von sich zu weisen. Seine Legitimität zu hinterfragen. Weil er nämlich genau das Gleiche mit unseren subjektiven Lebenswelt gemacht hat. Er stellt das, womit wir uns arrangiert hatten, in Frage. Und damit greift dieser Protest auch immer uns als Person an. So nehmen wir es zumindest wahr. Und es verletzt uns.

 


Schein und Scheinheiligkeit

Jahrzehntelang haben wir uns in der Gewissheit gesonnt: Rassismus ist kein deutsches Problem. Nicht einmal ein Europäisches. Wir haben mit dem Finger auf den Rest der Welt gezeigt und gleichzeitig zufrieden festgestellt, dass unsere Gesellschaft doch so viel liberaler und gerechter sei. Hier wird niemand wegen der Hautfarbe, der Religion, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder der Nationalität diskriminiert oder angegriffen.         

Die Wahrheit liegt auf dem Platz – und daneben

Spätestens die ZDF-Dokumentation „Schwarze Adler“ hat uns gezeigt, dass Rassismus in Deutschland kein Einzelfall ist. Sondern ein Muster. Das positiv Beeindruckende an dieser Dokumentation: Es sprechen ausschließlich Schwarze. Und genau das muss unsere gesellschaftliche Aufgabe sein. Diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die tatsächlich auch etwas zu sagen haben. Ihnen zuzuhören. Sie ernst zu nehmen und sie dabei zu unterstützen, die Missstände, unter denen sie leiden, aufzuarbeiten und zu korrigieren. Das nennt sich Solidarität. Solidarität für einen Protest. Und gerade weil dieser Protest auf so viel Gegenwehr stößt muss unsere Solidarität umso größer sein. Lauter, deutlicher und größer.

 

Wir müssen lernen, zuzuhören und uns zu hinterfragen

Es heißt aber auch, dass wir erst einmal lernen müssen zu protestieren. Die meisten von uns repräsentieren die Mehrheit in einer homogenen Gesellschaft. Wir repräsentieren die Norm. Ungleichheiten und Diskriminierungen, zugelassen durch unseren gesellschaftlichen Status Quo, berühren uns nicht. Deswegen haben wir uns mit diesem Status Quo arrangiert und unterstützen ihn sogar. Und genau deswegen tut es manchmal so weh, ihn zu hinterfragen: Wir müssen uns selber hinterfragen.  
Das schaffen wir nur, wenn wir endlich zuhören. All jenen, die nicht der Homogenität unserer Gesellschaft entsprechen. Wir müssen sie ernst nehmen und unsere Perspektive reflektieren. Wir dürfen uns nicht weiter mit einem bequemen Status Quo identifizieren, sondern müssen uns solidarisieren mit der unbequemeren, schwierigeren Veränderung zum Positiven. Der Veränderung zu mehr Gleichberechtigung, Toleranz und Offenheit. Und gegen all das, was dem im Wege steht kann jede*r protestieren.

 

 

Die EM als Beispiel

Die derzeitige Europameisterschaft zeigt uns, wie schwierig das sein kann und wie viel Gegenwehr uns erwartet, wenn wir uns entscheiden uns geschlossen gegen Rassismus oder Homophobie zu positionieren. Englische und russische Fans pfeifen die eigenen und gegnerischen Spieler aus, als diese vor Anpfiff auf die Knie gehen, um sich mit der Black-Lives-Matter-Bewegung zu solidarisieren. Die Allianz Arena in München muss grau bleiben. Diese Gegenwehr und Unmutsbekundungen zu gesellschaftlichen Werten, die für die meisten von uns selbstverständlich sind, tun weh.  

Weiter, immer weiter

Und genau das muss der Ansporn sein weiterzumachen. Weiter zuzuhören, sich zu solidarisieren und zu protestieren. Solange noch eine einzelnen Person Anstoß an Regenbogenflaggen und Kniefällen nimmt, solange muss der Finger weiter in die Wunde gelegt werden. Es liegt in der Natur des Protests auf Gegenwehr zu stoßen. Sonst wäre er obsolet. Und er ist oft dort am wirksamsten wo die Gegenwehr zu Beginn am Größten ist.

 

 

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