Katja Kraus - eine der einflussreichsten Frauen im deutschen Fußball

B42

03.02.2021 Lesezeit: 3min

“Weil Männer das so wollen“

 

Katja Kraus ist eine der einflussreichsten Frauen im deutschen Fußball.

Die heutige Geschäftsführerin von Jung von Matt/sports war nach ihrer aktiven Karriere als Bundesligaspielerin Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt, Vorstandmitglied beim HSV und Mitglied des Aufsichtsrats von adidas.

Im Interview erläutert sie, welche Erfahrung sie als Frau im Fußballgeschäft gemacht hat und wo der Profifußball von mehr Frauen profitieren würde.

 

"In der Anfangszeit wurde beharrlich nach meinen Fehlern gesucht"

 

Katja, während deiner aktiven Karriere war Frauenfußball noch kein bezahlter Sport, wie hast du es geschafft, Fußball und Ausbildung miteinander zu verbinden?

Ich habe die meiste Zeit in Frankfurt gelebt und dort auch studiert, als ich Spielerin beim FSV gewesen bin.

Ich musste also nicht in eine andere Stadt ziehen oder pendeln, um in der Bundesliga zu spielen, anders als viele meiner Mitspielerinnen, die mitunter vier Mal pro Woche nach ihrem Hauptberuf bis zu 200km nach Frankfurt gefahren sind, um abends zu trainieren und anschließend spätabends wieder nach Hause. Davor hatte ich den allergrößten Respekt.

Ich habe neben dem Studium gejobbt und als ich Nationalspielerin wurde habe ich auch Sporthilfe bekommen, das war für diese Zeit völlig ok.

Dennoch war mir bewusst, dass eine feste Berufstätigkeit mit dem Sport nicht vereinbar ist. Ich habe dann mit 26 mit dem aktiven Fußball aufgehört.

 

 

Nach deiner aktiven Karriere wurdest du Pressesprecherin bei Eintracht Frankfurt. Dem stern gegenüber hast du gesagt, dass du anfangs relativ große Widerstände erfahren hast. Welche waren das und wie bist du damit zurechtgekommen?

Es gab zunächst einmal große Verwunderung, dass eine Frau eine solche Position übernimmt. Eine Reihe von Männern, hat sich damit schwergetan, vor allem Journalisten. Manche von ihnen weil sie den Job gern selbst gemacht hätten.

In der Anfangszeit wurde beharrlich nach meinen Fehlern gesucht.

 

Wie bist du damit umgegangen und wie lange hat es dann gedauert, bis die Herren im Verein gemerkt haben, dass du mehr draufhast?

Es hat glücklicherweise nicht sehr lange gedauert, aber es war ein harter Einstieg. Ich hatte den Widerstand anfangs so nicht erwartet.

Irgendwann habe für mich dann in der besonderen Aufmerksamkeit vor allem eine Chance gesehen. Es war eine großartige Zeit, die fehlenden Strukturen in der Organisation zu Beginn, haben mir die Möglichkeit gegeben, in alle Bereiche einzutauchen und unglaublich schnell zu lernen.

Fußballmanagement ist ja kein Ausbildungsberuf.

 

Beim HSV, bei dem du Vorstandsmitglied wurdest, hat sich das dann ja auch ausgezahlt. Wie hast du diese Zeit in Erinnerung?

Als ich beim HSV Vorstand für Kommunikation und Marketing wurde, hatte ich schon zum Einstieg ein anderes Standing.

Als Vorstandsmitglied wurden mir Ressentiments nicht mehr direkt entgegengebracht. Interessanterweise hatte ich diese Problematik ohnehin nicht bei Spielern und nur sehr selten bei Trainern. Es waren vor allem Zuschreibungen von außen, die viele Stereotypen transportiert haben.

 

Du warst in dieser Funktion eine absolute Exotin. Warum spielen Frauen im professionellen Fußball bis heute kaum eine Rolle?

Weil Männer das so wollen. Sonst würden sie es verändern. Es gibt natürlich sehr wenige dieser hochattraktiven Jobs. Bedeutung, Geld, die Emotionalität des Fußballs, das ist schon ein sehr besonderes Arbeitsumfeld.

Noch immer werden viele Aufgaben an ehemalige Fußballer vergeben, weil deren Auswahl an Berufsoptionen nach der aktiven Karriere begrenzt ist. Und weil viele Menschen noch immer glauben, ein guter linker Verteidiger ist zwangsläufig auch ein guter Trainer oder Vereinsmanager.

Darüber hinaus gibt es kein Bewusstsein für den Gewinn, der sich aus Diversität ergibt, die Führungsgremien sind sehr homogen besetzt.

 

"Fußball sollte der Impulsgeber für gesellschaftliche Entwicklungen sein"

 

In welchen Bereichen würden Vereine denn deiner Meinung nach besonders von Frauen profitieren?

Grundsätzlich wird das Geschäft immer komplexer und es braucht unterschiedliche Herangehensweisen um die besten Lösungen zu finden. Es ist fahrlässig auf die Kompetenzen von Frauen zu verzichten.

Frauen haben eine gute Risikobewertung, die in diesem volatilen Geschäft sehr hilft. Zudem würde sich der Ton verändern und ein besseres Verständnis für eine wichtige Zielgruppe entstehen.

 

 

Ein Mittel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bekommen, ist in diesem Zusammenhang die Quote. Du warst im Aufsichtsrat von adidas. Hat es eine Rolle gespielt, dass du auch aufgrund der Quote reingekommen bist?

Überhaupt nicht, ich hatte nicht das Gefühl, als Quotenfrau wahrgenommen zu werden auch wenn ich sicherlich eine gewesen bin. Es geht am Ende darum, was man in ein Gremium einbringt und nicht darum, wie man reingekommen ist.

 

Brauchen wir denn eine Quote im Profifußball? Wie würde diese aussehen?

Da es keine intrinsische Motivation gibt, Frauen in Führungspositionen zu bringen, halte ich eine Quote für notwendig. Um so mehr da der Sport und insbesondere der Fußball eine so wichtige gesellschaftliche Rolle einnehmen.

Eigentlich sollte der Fußball Impulsgeber für gesellschaftliche Entwicklungen sein.

 

Gibt es denn genügend Frauen, die an Management-Funktionen im Profifußball Interesse hätten?

Unbedingt. Ich könnte dir viele Frauen nennen, die definitiv ein Gewinn für einen Profifußballverein wären. Mir fallen für nahezu jede operative Funktion geeignete Frauen ein. Entscheidend das Bewusstsein für den Gewinn, der darin liegt. Und sich dann um die Frauen zu bemühen.

 

Hältst du es denn für realistisch, dass wir in den nächsten zehn Jahren eine Frau an der Spitze eines Bundesligavereins sehen?

Ich bin mir sicher. Es wird deutlich schneller gehen.

 

"Vereine haben Markenpotential des Frauenfußballs noch nicht verstanden"

 

Mit Lina Magull haben wir vor einigen Monaten einen Blog geschrieben und dabei analysiert, warum der deutsche Frauenfußball so wenig Wertschätzung erfährt – auch im Vergleich zu anderen Ländern. Wie ist deine Sicht der Dinge?

Der Sport in Deutschland ist vom Männerfußball dominiert.

Wenn es darum geht, Frauenfußball populärer zu machen, müssen sich die Vereine mit ihrer Markenbildung und Markenstrategie auseinandersetzen.

 

Im UK beispielsweise ist das viel stärker der Fall. Unter anderem sind bei Autogrammstunden der männlichen Fußballstars immer auch Spielerinnen der Frauenmannschaft dabei. Und auch sonst gibt es weitaus mehr Marketing für den Frauenfußball.

Ich denke, dass es wirksamere Instrumente gibt als gemeinsame Autogrammstunden. Vielmehr geht es darum den Frauenfussball ernsthaft innerhalb des Clubs eigenständig zu positionieren.

Die Vereine haben das  Markenpotenzial des Frauenfußballs noch nicht verstanden.

 

Wir haben bei B42 ja auch den Anspruch, uns gegen Homophobie, Rassismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit einzusetzen. Zudem wollen wir den Frauenfußball unterstützen.

Welchen Wunsch / Rat würdest du uns und anderen Unternehmen gerne mit auf den Weg geben, wenn es um das Thema „gesellschaftliche Verantwortung“ geht?

Seid wehrhaft und glaubwürdig.

 

Katja, wir danken dir sehr für das Gespräch und deine spannenden Einsichten

 

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