Das Erlebnis Frauenfußball: 15 Männer in der Frauen Champions League

B42

23.11.2021 Lesezeit: 3 min

Habt ihr euch eigentlich schon mal gefragt, wie es ist, bei einem Frauenfußballspiel ins Stadion zu gehen? 
Wer geht da so hin? Gibt’s da Bier? Wie ist die Stimmung…? Denn sind wir mal ehrlich: Wenn wir uns die Zuschauerzahlen im Frauenfußball anschauen, allzu viele von euch können da noch nicht gewesen sein.

Wir haben das waghalsige Experiment gewagt und eine Expedition in den Münchner Norden an den Campus gestartet. Wir, das waren 15 Jungs (ja leider waren wir wirklich nur Männer), Mitarbeiter und Freunde von B42. Alle selbst mal aktiv, teilweise sogar „höherklassig“, dem Fußball natürlich nach wie vor auch beruflich verbunden und dementsprechend auch eine gewisse Fußballexpertise mitbringend. Und ein oder zwei 1860-Fans waren auch mit dabei.

Der Anlass: FC Bayern München gegen Olympique Lyon. Champions League, Mittwochabend, Flutlicht. Es war angerichtet für eine perfekte Fußballnacht. 

Die Anreise: mit U-Bahn und Bus - ein kleinwenig außerhalb ist er ja schon, der neue Bayern-Campus. Zu gut angebunden, um zu sagen es wäre umständlich, aber in München waren wir eigentlich nicht mehr so wirklich. Also fast wie in der Allianz-Arena…

Aber auch hier strömen die Fans Richtung Eingang. Dem ersten Eindruck nach sind sie im Schnitt weiblicher, jünger und weniger alkoholisiert als im Männerfußball. Der Nachteil: richtig laut gesungen wird nirgendwo, das akustische Warmmachprogramm hält sich in Grenzen. Der Vorteil: es fühlt sich wirklich ein bisschen nach Wohnzimmer an. Kaum bzw. keine Polizei, alle freundlich und gelassen, kein schlechtes Ambiente für einen entspannten Mittwochabendausflug.

Der Einlass ist erwartet unkompliziert und nach fünf Minuten betreten wir das kleine Stadion auf dem Bayern-Campus. Die Ränge sind bereits gut gefüllt und sogar ein ganzer Reisebus aus Lyon hat sich in einer der Ecken breit gemacht. Bonsoir!

Auf dem Weg zu unseren Plätzen kommen wir auch direkt am ersten Verpflegungsstand vorbei. Es gibt Bier, Glühwein, Softdrinks und Popcorn. Eine etwas ungewöhnliche Mischung, aber das für uns wichtigste war mit dabei. Ausgestattet mit dem Lebenselixier der Fußballfans geht’s zu den Plätzen.

Dort liegen rote und weiße Klatschpappen für uns bereit. Das weckt bei den Fußballpuristen unter uns zwar nur gedämpfte Begeisterung, aber die Choreo, die wir damit beim Einlauf auf der Gegengerade kreieren, sah dann doch sehr ansprechend aus. Und bis zur Halbzeit hatten wir auch noch das große Kiosk für Bier UND Bratwurst entdeckt.

Das Spiel beginnt und was wir dann die nächsten 90 Minuten zu sehen bekommen ist zwar kein Feuerwerk an Torraumszenen, aber extrem hochklassig. Zwei disziplinierte Spitzenteams schenken sich keinen Zentimeter, logischerweise fällt das einzige Tor nach einem Standard. Und wie im TV treffend bemerkt wurde: „Das Stadion bebt ein bisschen!“  

Die Stimmung auf den Rängen ist während des gesamten Spiels sowieso sehr gut. Die Fans geben ihr Bestes, um die Mannschaften 90 Minuten lang anzufeuern. Es wirkt alles etwas lockerer und weniger aggressiv als im Männerfußball. Der Sport steht einfach im Vordergrund und die knapp 2.000 Zuschauer*innen sind voll mit dabei und haben Spaß.  

In den letzten Sekunden der Nachspielzeit erzielt Lyon noch fast den Ausgleich, beim Abpfiff brandet im Stadion erlöster Jubel auf. Wir bleiben noch für die Ehrenrunde der Bayernspielerinnen, trinken unser letztes Bier aus und machen uns langsam auf den Weg nach draußen. Dort erstmal kurze Teambesprechung und Fazitrunde.

Der Tenor: das war ein richtig gutes Fußballspiel und hat einfach brutal viel Spaß gemacht. 

Unsere Markenbotschafterinnen Lina Magull und Julia Simic haben sich hier bei uns in den letzten Wochen und Monaten immer wieder zur fehlenden Wertschätzung geäußert. Wie viel wir da von anderen Ländern teilweise lernen können und warum diese ständigen Qualitätsvergleiche mit dem Männerfußball wenig sinnvoll sind. 

Dieser Abend hat eindeutig gezeigt, dass sie damit zu 100% Recht haben. Wer raus zum Campus fährt, sieht richtig guten Fußball. Qualitativ hochwertig, technisch und taktisch mit das beste was wir in Deutschland zu sehen bekommen.  

Den größten Aufholbedarf gibt es in den Kategorien Aufmerksamkeit und Fankultur. Genauso wie der Frauenfußball sich seinen Platz in unserer Gesellschaft erst noch erarbeiten muss, muss sich dessen Fankultur erst noch finden und entwickeln. Aber dieser Fußball, der uns am Mittwochabend präsentiert wurde, hat definitiv mehr Aufmerksamkeit und Zuschauer*innen verdient.

Für wen Hassgesänge, Respektlosigkeiten und dritte Halbzeit festes Begleitprogramm jedes Fußballspiels sind, der oder die ist draußen am Campus natürlich am falschen Ort. Aber für alle echten Fußballfans, die gerne regelmäßig ins Stadion gehen, guten Fußball mit Bier und Bratwurst in einem positiven familiären Umfeld bei ausgelassener Stimmung sehen wollen: Der deutsche Frauenfußball, national wie international, ist eine erstklassige Option.

Geht hin, überzeugt euch selbst!

Wir, die Fußballfans, haben die Möglichkeit, diesen fantastischen Sport zu unterstützen und einen Teil des Fußballs zurückzugewinnen, den wir in den letzten Jahren verloren geglaubt zu haben. Einen ehrlichen, spannenden Sport, greifbar, emotional und nah an den Menschen.  

Be fearless. Be focused. B42

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