Homo? Hetero? Bisexuell? Queer? Fußballer!

B42

03.03.2021 Lesezeit: 3min

Das Magazin 11Freunde titelte jüngst “Ihr könnt auf uns zählen”. In einer Solidaritätsbekundung versichern 800 Profikicker*innen darin, dass sie homosexuelle Fußballer unterstützen, ermutigen und, falls notwendig, auch gegen Anfeindungen verteidigen würden, wenn sie sich zu ihrem Coming-Out entschlössen.

Den grundsätzlichen Missstand machen sie gleich zu Beginn ihrer Erklärung deutlich:

“Auch im Jahre 2021 gibt es keinen einzigen offen homosexuellen Fußballer in den deutschen Profiligen der Männer. Die Angst nach einem Coming-Out angefeindet und ausgegrenzt zu werden und die Karriere als Profifußballer zu gefährden, ist offenbar immer noch so groß, dass schwule Fußballer glauben, ihrer Sexualität verstecken zu müssen”.

 

 

Die Aktion, die unter anderem von Max Kruse, Christoph Kramer und Niklas Stark unterzeichnet wurde, ist großartig und nachdenkenswert.

Großartig, weil sie einen wichtigen Schritt in Richtung eines diskriminierungsfreien Fußballs bedeutet. Weil sie durch die Unterstützung von 800 Spielern und Spielerinnen direkt aus dem Zentrum des Profifußballs kommt. Weil sie damit Aufmerksamkeit schafft.

Nachdenkenswert ist die Erklärung angesichts der Feststellung, dass es immer noch keinen einzigen offen homosexuellen Profi-Fußballer gibt. Im Jahre 2021! Es ist bedauerlich, dass es offenbar immer noch eine große Sache ist, wenn Männer Männer lieben. Es macht betroffen, dass es offenbar immer noch eine große Angst von den Reaktionen der Ränge gibt, sobald sie wieder gefüllt werden dürfen. Dazu komme die Sorge, in den journalistischen Fokus zu geraten, von Bild & Co. dauerhaft auf die mediale Bühne gehoben zu werden - und das nicht mit Bezug auf die fußballerische Leistung am Wochenende. 

 

 

Die sexuelle Orientierung ist Privatsache – gesellschaftlicher Druck nicht 

Es gibt faktisch Fußballer, die nicht einem heteronormativen Geschlechtermodell entsprechen. Es gibt Fußballer, die ihre sexuelle Identität verstecken.

Wer glaubt, dass 100 Prozent der deutschen Profifußballer auf Frauen stehen, glaubt auch an das Sandmännchen. 

Und natürlich ist die Argumentation zulässig, dass dies Privatsache ist und niemanden etwas angeht. Wenn aber gesellschaftliche Missstände dazu führen, dass Menschen ihre wahre Identität verstecken, eine Rolle spielen müssen, Angst vor dem Druck der Öffentlichkeit haben, dann muss dies thematisiert werden.  

Daher ein Vorschlag: Wie wäre es, wenn sich die großen Medien des Landes – vom Boulevard bis zum seriösen Nachrichtenmagazin, vom öffentlich-rechtlichen Radio bis zum privaten Trash-TV-Kanal – hinter einer eigenen Erklärung versammelten? Eine Erklärung, in der sie sich dazu bekennen, das Outing des ersten Spielers eine Woche lang aufzugreifen, dann aber von größerer medialer Berichterstattung zu seiner sexuellen Orientierung Abstand zu nehmen.

Wie wäre es, wenn alle Fußballvereine der ersten bis dritten Liga Vorbild wären und eine Selbstverpflichtung formulierten, die konsequentes Einschreiten verpflichtend macht, wenn es auf einer Tribüne zu homophoben Äußerungen käme? 

Wie wäre es, wenn die DFL einen knallharten Maßnahmenkatalog vorstellte, um homophobe Ausfälle auf den Rängen knallhart zu bestrafen? Spielunterbrechung, schmerzhafte Geldstrafen oder Geisterspiele, auch nach Corona – der Katalog an Maßnahmen gibt da einiges her. 

 

 

Vielleicht ist die Zeit leerer Stadien hilfreich für das erste Outing 

Vielleicht ist die Zeit der Pandemie – ohne Zuschauer, mit weniger Aufmerksamkeit, weniger Machotum und Testosteron im Stadion – geradezu prädestiniert für das erste Outing. 

Und vielleicht realisierten wir dann auch, dass wir im Jahr 2021 angekommen sind. Dass die sexuelle Orientierung eines Menschen eigentlich gar kein großes Ding mehr ist. Dass sich die Idioten rechtfertigen müssen, die sich homophob äußern - und eben nicht die Spieler, die Mut bewiesen haben und des Versteckspiels leid sind. 

Thomas Hitzlsperger hat nach dem Outing nach seiner Profi-Karriere zwar breite Aufmerksamkeit, aber fast ausschließlich großen Zuspruch erfahren. Heute ist er nicht der “schwule” Präsident des VfB Stuttgart. Er ist der Präsident des VfB Stuttgart. Kritik der Fans erfährt er derzeit reichlich – sie ist aber völlig unabhängig von seiner sexuellen Orientierung. 

 

 

Die 11Freunde hat Anlass zur Hoffnung gegeben. Sie hat das Spiel gegen die Mannschaft der Homophobie angepfiffen. Tun wir alles dafür, dass wir es gewinnen - als Funktionäre, als Spieler*innen, als Team-Kolleg*innen, als Menschen. 

 

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